Top 10+1 Alben 2020

Als ich die Alben für diesen Artikel zusammengetragen habe, habe ich mich mal wieder gewundert, wie viel dieses Jahr veröffentlicht wurde. Dadurch war es mir ein Leichtes, diese Top 10+1 Alben zusammenzustellen. Warum 10+1? Naja, ich finde, dass Live-Alben nicht so ganz als „neue“ Alben zählen, weil da ja nur Lieder drauf sind, die es vorher schon gab. Allerdings sollten gute Live Alben trotzdem erwähnt werden. Eine genaue Rangfolge kriege ich nicht hin, weshalb ich die Alben in diesem Artikel in einer zufälligen Reihenfolge angeordnet habe.

Alles in allem war dieses gesamte Jahr 2020 zum Glück sehr reich an Musik, die jeder Zeit ziemlich gut durch die Coronazeit half; egal ob nun einfach so auf Spotify und auf Youtube oder mal von der aufgelegten Schallplatte. Worüber ich mir beim Hören der Alben allerdings nie wirklich Gedanken mache und weshalb es etwas gedauert hat, diesen Artikel zu schreiben, ist, warum genau ich die Alben mag und wie ich das am besten in Worte fasse.

Donots – Birthday Slams (Live):

Dieses Album ist gerade mal Anfang Dezember erschienen und dennoch war es schon nach kurzer Zeit eines meiner Lieblingsalben, auch wenn das Anhören etwas schmerzt, weil es mich an die vier schönen Konzerte erinnert, die ich im vorletzten Jahr besucht habe. Die Mischung der Songs aus den verschiedenen Städten, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Wiesbaden und Ibbenbüren, in denen die Birthday-Slam-Konzerte stattfanden, ist sehr gut gelungen, auch wenn das Publikum der einzelnen Städte unterschiedlich laut abgemischt zu sein scheint. Gerade bei den Songs aus Ibbenbüren, einem Konzert, bei dem ich dabei war, habe ich immer direkt wieder den Abend vor Augen und muss sofort lächeln.

Von Wegen Lisbeth – Live in der Columbiahalle Berlin:

Ein weiteres Album, welches ebenfalls mit Konzerterinnerungen verbunden ist, über die hier ja auch zu lesen war. Das Livealbum ist auf jeden Fall sehr gut gelungen und auch in Videoform auf YouTube zu finden.

ENGST – Schöne Neue Welt:

ENGST gehört zu den Bands, die ich erst Anfang diesen Jahres so richtig für mich entdeckt habe. Bevor das Album am 30.Oktober erschien, gab es bereits ein paar Singles. Als erstes ‚Wieder da‘, ein Song, der, wie ich finde, sehr gut die Einstellung vieler Punk-Bands darstellt. Mein Lieblingssong des Albums ist ‚Alle tragen Schwarz‘, ein Song, der sich damit beschäftigt, was passiert, wenn Menschen aufgrund von Mobbing oder anderen Problemen keinen Ausweg mehr sehen. Was mich an diesem Song in gewisser Weise gefreut hat, ist, dass auch angesprochen wird, wie die Verursacher der Probleme dann plötzlich so tun, als hätten sie nichts getan und am Ende ohnehin alles vergessen wird, bis es wieder einen Vorfall gibt. Von den restlichen Songs möchte ich noch ‚Zu Hause‘ und ‚Denkst du noch an mich‘ hervorheben. Allerdings ist das Album insgesamt einfach sehr gut und ich mag alle Lieder.

Die Ärzte – HELL:

Ein Album, auf das ich mich gefreut habe, seit klar war, dass es kommen würde. Die erste Single, ‚Morgens Pauken‘, fand ich nicht wirklich überzeugend und das Lied ist für mich auch immer noch das schwächste des Albums. Dennoch ist das Album insgesamt ein ziemlich langes Kunstwerk, in dem auch ‚Morgens Pauken‚ nicht fehlen darf. Da ist es fast schwer, einen Song als Favoriten rauszupicken. Der Song, den ich vom Album aber am meisten höre, ist ‚Woodburger‘.

Provinz – Wir bauten uns Amerika:

Provinz gehört ebenfalls zu den Bands, die ich dieses Jahr für mich entdeckt habe, was vielleicht beim ersten Lied auch ein bisschen an der Stimme des Sängers lag, da ich diese sehr gut fand. Ich liebe die Musik von Provinz sehr und kaum, nachdem ich das Album das erste Mal gehört hatte, ist die Band auf meiner Liste mit Künstlern, die ich live sehen will, gelandet. Die Lieder auf dem Album haben einfach megagute Texte und sind aufgrund der treibenden Melodien für mich eigentlich alle sehr mitreißend. Meine Lieblingssongs des Albums sind ‚Diego Maradona‘ und ‚Du wirst schon sehen‘, aber eigentlich ist das Album als Gesamtwerk einfach klasse und ich liebe es, die Platte, die einfach ORANGE ist, immer wieder aufzulegen.

Fynn Kliemann – POP:

Ich verfolge Fynn Kliemann schon seit den Videos, in denen seine GoPro noch immer umgefallen ist. Somit war 2018 auch klar, dass ich mir sein 1. Album, ‚Nie‘, kaufe. Am 29.5.2020 erschien dann sein 2. Album, ‚POP‘. Ein paar Monate später kamen meine CD und meine Vinyl bei mir an. Zu diesem Album könnte ich jetzt einerseits unfassbar viel schreiben, andererseits fällt es mir auch schwer in Worte zu fassen, warum das Album so besonders ist. Runtergebrochen kann ich auf jeden Fall sagen, dass seit der Veröffentlichung der Song ‚Regen‘ mein Lieblingssong des Albums ist, was vor allem am Text liegt, da ich mit dem darin Angesprochenen sehr viel verbinden kann bzw. es auf meine Sicht umdenken kann. ‚Alles was ich hab‘, mein 2. Lieblingslied, ist im Gegensatz zu den meisten anderen Songs des Albums weitaus treibender und dadurch für mich auch ein toller Kontrast gegenüber ‚Regen‘.

Changes – Ilse DeLange:

Fan von Ilse DeLange bin ich eigentlich schon seit einiger Zeit, aber erst durch ihre Teilnahme an der Sendung ‚Sing meinen Song‘ habe ich angefangen, ihre Musik auch bewusster und regelmäßiger zu hören. Das Album ist vor allem deswegen in diesem Ranking gelandet, weil es für mich eine gute Mischung aus eher schnelleren und treibenderen Songs, wie ‚Way Back Home‘ und eher langsamen und ruhigen Songs wie ‚Old Sweater‘ darstellt. Darüber hinaus mag ich auch die Texte aller Songs sehr.

Anti-Flag – 20/20 Vision:

Über die Zeit hörte ich immer wieder was von Anti-Flag gehört, beschäftigte mich aber nie wirklich mit der Band und deren Musik. Das änderte sich aber mit der ersten Single des Albums, Christian Nationalist‚ da ich diese sehr mochte. Insgesamt ist das Album einfach sehr treibend und macht Bock auf Moshpits und Konzerte.

Radio Havanna – VETO:

VETO ist, glaube ich, das Album, was mich über das letzte Jahr am meisten begleitet hat, was zum einen daran lag, dass es bereits Mitte Januar 2020 raus kam und von der Band ist, von der ich mein letztes Konzert vor dem ersten Lockdown besucht habe. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass es meiner Meinung musikalisch sehr gelungen ist und außerdem textlich sehr überzeugen kann. Eigentlich mag ich alle Songs auf dem Album, allerdings möchte ich vor allem ‚Helden‘, ‚Immer noch da‘ und ‚Schatten‘ hervorheben. Thematisch am meisten zu mir passend ist der Song ‚Chaoskind‚, da er einfach Dinge beschreibt, die mir schon so oder ähnlich im Leben passiert sind.

Smile and Burn – Morgen Anders:

Smile and Burn haben mich vorher irgendwie nicht sehr interessiert, da mir ihre englische Musik nicht so sehr gefiel. Als ich dann hörte, dass sie ein deutsches Album machen würden, dachte ich mir, dass ich dem ganzen noch einmal eine Chance geben könnte. Skeptisch war ich immer noch, aber direkt beim ersten Hören mochte ich das Album. Ich wurde also nicht enttäuscht. 🙂 Die Songs gefallen mir alle, aber von Anfang an war ‚Mit allem falsch‘ mein Favorit. Dazu gesellten sich mit der Zeit dann noch ‚Die schönsten Bilder‘ und das titelgebende Lied des Albums, also ‚Morgen anders‘.

Biffy Clyro – A Celebration Of Endings:

Die Musik von Biffy Clyro ist mir mehr oder weniger zufällig irgendwann im ersten Lockdown „in die Hände gefallen“ und ich fand schnell einige Lieblingslieder und wurde Fan. Als dann im August das Album kam, brauchte ich erstmal ein wenig, um so richtig damit warm zu werden, aber letztendlich gefällt es mir doch ziemlich gut. Es gibt zwar einige Songs auf dem Album, die ich nicht so sehr mag, wenn ich sie einzeln höre, die aber ins Gesamtbild des Albums passen. Meine Favoriten des Albums sind ‚Instant History‘ und ‚Space‘.

Ich hoffe mal, dass das nun schon etwas laufende Jahr auch wieder viel gute Musik bereithält, die dann auch in Form von Platten oder CDs einen Weg zu mir findet.

“Es muss in dir brennen, was du in anderen entzünden willst” – Interview mit unserem Schulleiter (Teil 2/2)

Seit April 2020 haben wir nun schon einen neuen Schulleiter, Herrn Langen, den wir euch in diesem Artikel vorstellen und als Person näherbringen wollen. Ende November 2020 haben wir, Jennifer (J) und Merle (M), das nachfolgende Gespräch mit ihm geführt. Da Herr Langen so freundlich war, sich Zeit für unsere Fragen zu nehmen, sodass wir ihm einige stellen konnten, haben wir das Interview in zwei Teile aufgeteilt: In Teil 1 geht es vor allem um Herrn Langens berufliche Laufbahn sowie seine Haltungen zu Fragen des Schulalltags. In Teil 2 gibt Herrn Langen einen Einblick in seine Schulzeit und ihr erfahrt mehr über ihn als Privatperson.

J: Eine Frage, die alle von uns im Laufe unserer Schulzeit beschäftigt, ist die, was nach dem Abitur kommt. – Wann haben Sie eigentlich gemerkt, dass Sie Lehrer werden möchten?

L: Die Frage finde ich sehr spannend, weil ich auch selbst sehr intensiv darüber nachgedacht habe. Es ist so: Wenn Sie wissen wollen, wann für mich definitiv klar war, dass ich mich für dieses Studium einschreiben möchte, war das in Klasse 11. Das weiß ich noch relativ genau. Es war die Zeit, als ich gegenüber meinen Freunden, meinen Eltern zum ersten Mal konkret ausgedrückt habe, Gymnasiallehrer werden zu wollen. Wenn ich in meine Kindheit zurückblicke: Bereits da habe ich schon gern Schule gespielt. Ja, ich war auch gerne in der Lehrpersonen-Rolle. Mit Gruppen habe ich im Jugendalter gern zusammengearbeitet, habe gerne im Fußballverein eine Mannschaft trainiert. Ja, das hat mir Freude bereitet.

M: Wie kombinieren Sie denn Ihren langen und intensiven Arbeits- und Berufsalltag mit Ihrem Privatleben und Ihrer Freizeit? Und was machen Sie in Ihrer Freizeit?

L: Innerhalb der Woche habe ich in der Schule natürlich eine hohe Präsenz, sodass für Freizeitaktivitäten da nicht so viel Zeit bleibt. Am Freitagabend spiele ich in einer Freizeitgruppe gern Fußball. Das ist für mich ein sehr schöner sportlicher Wochenausklang. Am Wochenende unternehme ich gern etwas mit meiner Familie. Ich habe eine zehnjährige Tochter und einen sieben Jahre alten Sohn. Mit denen spiele ich auch gerne Fußball oder wir beschäftigen uns mit Gesellschaftsspielen. Als Ausgleich laufe ich und ich widme mich der Lektüre. Naja, so ganz spektakuläre Freizeitaktivitäten habe ich nicht zu bieten.

J: Was war damals in der Schule ihr Lieblingsfach?

L: Geistesgeschichtliche Fächer wie Geschichte, Deutsch, Erdkunde, Religion haben mir immer Freude bereitet. In anderen Fächern hing es auch mal von der Lehrkraft  ab.

J: Warum haben sie sich dann schlussendlich für Deutsch und katholische Religion entschieden, als sie angefangen haben zu studieren?

L: An Religion hatte mich Folgendes gereizt: Ich finde diese Frage nach Gott und seinen Bezug zu den Menschen, zur Welt immer noch eine der spannendsten. Die Frage nach einem Dasein, das diese ganze Wirklichkeit noch einmal übersteigt und letzten Endes auch umfasst, finde ich sowohl aus theologischer als auch aus philosophischer Sicht eine unheimlich spannende Frage und wie sich die Beantwortung dessen auf unsere Wirklichkeit auswirkt. Also ich habe mich im Studium zum Beispiel  sehr viel mit bioethischen Themen beschäftigt, mit Kirchengeschichte oder auch der Bibelexegese. Hinsichtlich der Germanistik hatte ich bereits ein Grundinteresse an aktueller, aber vor allem auch historischer fiktionaler Literatur. Schließlich ist Literatur eine sehr künstlerische Form, mit den Gegebenheiten der Zeit umzugehen. Sich damit kritisch auseinanderzusetzen, bereitet mir Freude. Und dann sind es letztendlich die zwei Fächer geworden und ich bin auch sehr glücklich damit, muss ich sagen. Ich unterrichte sehr gerne und es macht mir immer noch eine große Freude, Kinder oder junge Erwachsene dafür zu begeistern.

M: Woran aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gerne und woran eher nicht?

L: Also, ich erinnere mich gerne, an die Zeiten, wo wir eine gute Klassengemeinschaft hatten oder tolle Klassenfahrten. Ich erinnere mich sehr gerne an gewisse Lehrpersonen, die es geschafft haben, mein Interesse für Bereiche zu wecken, wo es Freude gemacht hat, im Unterricht zu sitzen und wo man nach der Stunde in die Pause gegangen ist und gedacht hat, wow, heute habe ich wirklich etwas mitgenommen Daran erinnere ich mich sehr, sehr gerne zurück und auch daran, dass wir es in unserem Abiturjahrgang geschafft haben, noch in Kontakt zu bleiben. Es kommen heute noch immer etwa 85 Leute bei den in einem fünfjährigen Turnus stattfindenden Wiedersehensreffen zusammen.

Woran erinnere ich mich nicht gerne zurück? Schwierig empfand ich es immer, wenn vereinzelt Lehrpersonen eine Stoffvermittlung durch psychisch aufgebauten Druck durchzuführen. Aber ich glaube, solche Lehrertypen findet man heute gar nicht mehr.

J: Wir müssen da auch jetzt nicht ins Detail gehen. Wir wollen Ihnen nicht zu nahe treten, es war uns nur wichtig, zu zeigen, dass es natürlich auch Punkte in der Schule gibt, die nicht supertoll sind.

L: Das ist der genannte Aspekt, und obwohl ich damit in der Regel gut zurechtgekommen bin, meine übrigens Mitschüler auch, hat Schule angstfrei stattzufinden.

J: Kommen wir nun zu komplett anderen Fragen: Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie vielleicht mit uns teilen können?

L: Mein Lebensmotte lautet: “Es muss in dir brennen, was du in anderen entzünden willst”. Das ist ein Satz, der stammt von Aurelius Augustinus, einem Philosophen und Kirchenlehrer der lateinischen Antike. Wenn ich nicht selber von etwas begeistert bin und mir etwas nicht wichtig ist, kann ich es nicht gut vermitteln. Denn ich möchte den Schülerinnen und Schülern nicht nur etwas beibringen, sondern ich möchte Sie auch dafür begeistern.

M: Würden sie gern einmal ihre Arbeit mit der Arbeit der Bundeskanzlerin tauschen und wenn ja, was wäre so ihr wichtigstes oder erstes Anliegen, was sie dann in Angriff nehmen würden?

L: Nun, Frau Dr. Merkel hat ja einen Doktor in dem Fachgebiet Physik, deswegen könnte ich mir vorstellen, dass sie es vielleicht schwierig finden würde, in Deutsch und katholischer Religion zu unterrichten. Jetzt, wenn ich es so bedenke: Für einen Tag fände ich es durchaus reizvoll, die Entscheidungsträger anderer Staaten zu treffen. Doch, wenn ich bedenke, was eine Bundeskanzlerin gerade für Verantwortung trägt und dass diese Verantwortung, die Frau Merkel derzeitig ja nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa zugesprochen wird, ist gerade sehr bedeutsam. Ich einen sehr großen Respekt vor der Arbeit von Frau Merkel, sodass ich nicht leichtfertig sagen würde, das könnte ich jetzt auch. Gerade mit Blick auf die aktuelle Lage ist sicherlich in der Bewältigung der Corona-Pandemie nicht alles gelungen gelaufen in Deutschland. Wenn ich mir jedoch vor Augen führe, wie Deutschland von unseren politischen Vertretern bisher durch die Corona-Pandemie geleitet wurde, kann man sehr zufrieden sein.

J: Dann kommen wir jetzt noch zu einer Frage, die sich mehr um die Gesellschaft allgemein und die LGBTQI*-Gemeinschaft dreht. Wie glauben Sie, kann man den Schulalltag für diese Menschen vielleicht noch angenehmer gestalten und wie kann man ihnen allgemein einen Raum in der Gesellschaft bieten?

L: Meine Erfahrung mit Diversität ist, dass immer noch Schülerinnen und Schüler, die zum einen eine gleichgeschlechtliche Orientierung haben oder auch das Empfinden haben, im falschen Körper zu sein, durchaus mit Ängsten, z.B. mit der Angst vor Vorurteilen oder so, zu tun haben. Das bedauere ich sehr, weil wir im 21. Jahrhundert es schaffen sollten, dass wir, wie es auch im Grundgesetz steht, jeden Menschen als Menschen sehen. Solange man mit seiner Einstellung nicht die Freiheitsrechte anderer Menschen negativ beeinträchtigt, hat man das Recht, in dem Sinne zu leben, wie es einem seine Natur vorgibt, weil wir unserer Natur folgen müssen. Wir können nicht wider unserer Natur handeln! Ansonsten ist es so, dass wir es in der modernen Gesellschaft, schaffen sollten, Menschen erstmal auch menschlich zu begegnen, so würde ich es formulieren, offen zu begegnen und sie nicht gleich zu stigmatisieren.

M: Dann haben wir jetzt noch eine letzte Frage: Wenn Sie eine berühmte verstorbene Person treffen könnten, welche wäre das?

L: Schwere Frage. Das Problem ist ja, es gibt viele interessante Menschen, bei denen ich erstmal denken würde: Die würde ich gerne mal treffen. Es ist so, für mich sind Personen besonders spannend und interessant, die an Schnittstellen der Geschichte schwierige Entscheidungen treffen mussten. Ich würde gerne mit denen darüber sprechen, was in diesen Situationen für sie handlungsleitend war. Häufig sind das Menschen, die nicht vom allgemeinen Mainstream anerkannt waren, sondern eher durch ihr Andersartigsein die Welt im Ganzen beeinflusst haben.

Zum Beispiel, sicherlich bedingt durch mein Interesse an Religion, Jesus von Nazareth, wie es für ihn war, als er für sich erkannt hat oder begriffen hat, dass er nochmal eine besondere Beziehung zu diesem Göttlichen hat.

Aus der jüngeren Vergangenheit hätte ich gerne ein Gespräch mit Richard von Weizsäcker gehabt, der damals zum 40. Jahrestag des Kriegsendes eine herausragende, wesentliche Rede im deutschen Bundestag gehalten hat. Zum ersten Mal sprach ein deutscher Politiker davon, dass das deutsche Volk durch die Alliierten befreit worden sei, als es den Krieg 1945 verloren hatte. War diese Sichtweise zum Zeitpunkt der Rede durchaus noch umstritten, ist er danach und auch heute dafür berechtigter Weise sehr wertgeschätzt worden. Als ich in Ihrem Alter war, endete ungefähr die Amtszeit von Richard von Weizsäcker. Für mich hat er aus diesem, aber auch aus anderen Gründen als Bundespräsidenten immer eine besondere Bedeutung gehabt.

Und so kam unser Gespräch mit Herrn Langen zu seinem Ende. Wir bedanken uns noch einmal sehr herzlich bei Herrn Langen für seine Zeit und Offenheit und hoffen, dass ihr auch weiterhin unsere Artikel mit Interesse lesen werdet.

Bleibt gesund,

Merle und Jennifer

„Die Übernahme von Verantwortung reizt mich“ – Interview mit unserem Schulleiter (Teil 1/2)

Leidenschaftlicher Hobbyfußballer

Seit April 2020 haben wir nun schon einen neuen Schulleiter, Herrn Langen, den wir euch in diesem Artikel vorstellen und als Person näherbringen wollen. Ende November 2020 haben wir, Jennifer (J) und Merle (M), das nachfolgende Gespräch mit ihm geführt. Da Herr Langen so freundlich war, sich Zeit für unsere Fragen zu nehmen, haben wir das Interview in zwei Teile aufgeteilt:

In Teil 1 geht es vor allem um Herrn Langens berufliche Laufbahn sowie seine Haltungen zu Fragen des Schulalltags.

In Teil 2 gibt Herr Langen einen Einblick in seine Schulzeit und ihr erfahrt mehr über ihn als Privatperson.

J: Wir freuen uns, dass dieses Gespräch zustande gekommen ist und dass Sie so freundlich auf unsere Ideen eingegangen sind.

L: Sehr gerne.

M: Kommen wir zu unserer ersten Frage: Warum haben Sie sich dazu entschieden, Schulleiter und noch dazu hier am Gymnasium Wildeshausen zu werden?

L: Die Leitung einer Schule dieser Größenordnung zu übernehmen, ist eine große Herausforderung. So etwas macht man nicht einfach aus Lust und Laune heraus. Rückblickend kann ich sagen, dass die Übernahme von Verantwortung mich sowohl gereizt, aber auch geprägt hat. Bereits in meiner Jugendzeit bin ich in unterschiedlichen kirchlichen und sportlichen Bereichen engagiert gewesen, in denen ich dann auch zunehmend Verantwortung übernommen habe. Sowohl in der katholischen Landjugend als auch dann im Berufsleben in der Schule: Durch meine Tätigkeit als Fachobmann für das Fach Religion konnte ich hier erste Erfahrungen über den eigenen Unterricht und Klassenleitung hinaus machen. Insgesamt  hat es mir Freude bereitet, an der Weiterentwicklung von Unterricht und Schule mitzuarbeiten, Bildungsprozesse zu initiieren und zu organisieren.

Nachdem ich dann fünf Jahre lang stellvertretender Schulleiter am Max-Planck-Gymnasium in Delmenhorst war, reifte in mir so langsam die Entscheidung, dass ich es wagen möchte, Schulleiter zu werden. Die Zusammenarbeit sowohl mit Schülern als auch Eltern, Kolleginnen und Kollegen empfinde ich als bereichernd und das Gymnasium Wildeshausen hat mich durch das reichhaltige Angebot, aber auch durch seine kleinstädtische ländliche Lage angesprochen.

J: Sie sind nun ja schon ein gutes halbes Jahr tatsächlich hier Schulleiter. Wie bewerten Sie Ihre bisherige Zeit am Gymnasium Wildeshausen?

L: Aufgrund der Corona-Pandemie war es neben den gängigen Herausforderungen, wenn man eine neue Stelle antritt, eine sehr intensive Zeit. Ich kam damals am 22. April noch zu Zeiten des völligen Lockdowns und es mussten sehr viele Entscheidungen hinsichtlich des Wiedereinstiegs in den Unterricht, der Umsetzung des Hygienekonzeptes getroffen werden. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier ganz tolle Kolleginnen und Kollegen in der Schulleitung habe, insbesondere meinen Stellvertreter, Herrn Sudholz, die mich sehr unterstützt haben. Besonders hervorzuheben ist auch das Engagement vieler unserer Lehrkräfte, die unseren Schülerinnen und Schülern in dieser schwierigen Zeit der Corona-Pandemie eine gute Schulsituation bieten. Das heißt ganz konkret, neben einer guten Lernsituation auch Schule als Lebensraum, soweit es geht, zu schaffen und erhalten. Es ist toll, dass es uns gelungen ist, unsere Mensa im ersten Halbjahr nahezu durchgehend geöffnet zu lassen, dass der Ganztag in der bewährten Form stattfinden konnte, und dieses alles bei einem geringen Infektionsgeschehen an unserer Schule, sodass wir hier bisher keine Fälle hatten, sondern nur vorsorgliche Quarantänen.

M: Wie ist Ihre Einstellung zur Handynutzung auf dem Schulgelände? Das ist wahrscheinlich ein Thema, welches besonders in der Oberstufe aufkommt.

L: Das ist ja eine ganz schwierige Frage, die man von ganz unterschiedlichen Seiten aus angehen kann. Wenn Handynutzung durch die Lehrkraft im Unterricht zu fachlichen oder pädagogischen Zwecken erforderlich ist, und sie daher anregt, das Smartphone einzusetzen, dann finde ich das förderlich, weil ein zielgerichteter Einsatz moderner Medien neue Möglichkeiten eröffnet. Natürlich ist die Gleichbehandlung aller Schülerinnen und Schüler hier unbedingt einzuhalten.

Ich halte viel von direkter Kommunikation, d.h. von Gesprächen zwischen Menschen. Besonders auf dem Schulhof finde ich es wichtig das zwischen den Lernenden entspannt geplaudert wird. Unsere Handyordnung verhindert ein Zusammenstehen von vier Menschen, die alle nur auf ihrem Handy daddeln, und keiner spricht mehr miteinander. Und ich glaube, wir müssen uns noch viel stärker auf den Weg machen, verantwortungsvoll mit den modernen Medien umzugehen, um sie dann auch völlig freizugeben. Eine völlige Freigabe von Handys auf dem Schulhof zu gewährleisten, sehe ich daher im Moment noch nicht.

J: Unsere nächste Frage wäre: Wie wichtig ist es Ihnen, zum Beispiel Schülerinnen und Schüler bei etwaigen Projekten oder auch Zielen für die Schule mit einzubeziehen?

L: Dieser Bereich ist mir sehr wichtig, weil ich glaube, dass, wenn Schülerinnen und Schüler Ideen haben, die zuträglich für die Schule sind, dann gewinnt die Schule dadurch. Dem jetzigen Abiturjahrgang ist dies zum Beispiel im Oktober durch einen Spendenlauf gelungen: Zum einen haben sie Geld für ihre Abifeierlichkeiten eingenommen, zum anderen haben sie noch was für einen guten Zweck getan, indem sie dem Mehrgenerationen-Haus die Hälfte des erlaufenen Betrages gespendet haben. Neben diesem Projekt war die Aktion mit dem Verkauf von Decken und Handwärmern sicherlich situationsangemessen. Auch die von der Schülervertretung durchgeführte Nikolaus-Aktion lässt sich noch anführen. Also wenn die Schülerinnen und Schüler sich auf den Weg machen, Gutes zu tun, haben sie mich an ihrer Seite.

M: Unsere nächste Frage dreht sich um den Abi-Streich. Ein weiteres Thema, das wahrscheinlich interessanter für die Oberstufe ist. Wie stehen Sie dazu?

L: Die Abiturprüfung machen die Schülerinnen und Schüler in der Regel nur einmal. Bei erfolgreicher Bewältigung erhalten Sie dann das Abitur, das Reifezeugnis. Der Zeitraum ist zum einen geprägt von Prüfungen, intensivem Lernen, freizeitlichen Entbehrungen, zum anderen ist er auch verknüpft mit dem Schritt in eine Freiheit, dass man nun ein Studium oder eine Ausbildung beginnen kann. Und natürlich gehört da auch ein Abi-Streich dazu. Ich bin grundsätzlich nicht dagegen. Ein Abi-Streich, der originell und kreativ gemacht ist, der Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte so einbindet, dass keiner sich blamiert, dass keiner vorgeführt und lächerlich gemacht wird, ist gemeinschaftsstiftend und zum Abschluss einer Schulzeit auch gerechtfertigt. Natürlich ist dabei der Konsum von Alkohol nicht zu tolerieren. Ebenfalls abzulehnen ist, dass Lernende wie Lehrerende so nass gespritzt werden, dass sie eine zweite Garderobe mitbringen müssen. Die Durchführung eines Abi-Streiches hat viel mit Vertrauen zu tun, Vertrauen sowohl in Richtung meiner Person, als auch Vertrauen von mir in Richtung der Schülerinnen und Schüler. Und mir ist wichtig, wenn man Absprachen trifft, dass man sich dann auch daran hält. Ein Abi-Streich soll ja eine amüsante, kreative Form eines gestalteten Abschiedes von der Schule sein und keine Abrechnung mit Lehrkräften oder der Schule insgesamt.

J: Das fasst es wohl ziemlich gut zusammen, was es sein sollte. Dann nochmal eine Frage, die sich mehr in die Zukunft richtet: Wo sehen Sie unsere Schule in 5 Jahren?

L: Die Corona-Pandemie hat uns alle vor die Situation gestellt, wo auf einmal nicht mehr die Frage war, ob wir digitale Medien einsetzen sollen oder nicht, sondern wir mussten es einfach tun. Wir mussten einfach neue Wege gehen. Und wir sind sie gegangen, alle miteinander. Daher befinden wir uns auf dem Weg, eine verantwortungsbewusste Unterrichtsgestaltung mit modernen Medien hinzubekommen, wo analoge Medien, analoge Unterrichtsformen und digitale Unterrichtsformen sich ergänzen. Das wird eine ganz wesentliche Aufgabe  für die nächsten fünf Jahre sein. Begleitet wird der Prozess von einer ständigen Reflexion und Evaluation. Ich glaube, dass wir die Digitalisierung brauchen, dass es eine große Chance ist und deswegen sage ich auch, wenn wir hier im Pilotprojekt die Tableteinführung in dem Jahrgang 11 wagen, dann müssen wir klug vorgehen, um auch alle Schülerinnen und Schüler mitnehmen zu können. In Verbindung mit der Studien- und Berufsorientierung können wir unseren Schülerinnen und Schülern sicherlich dadurch noch bessere Voraussetzungen bieten. Auf diesem Weg sehe ich uns und deswegen kann ich Ihnen auch heute auch noch nicht definitiv sagen, wo wir in fünf Jahren stehen werden. Ich glaube, durch meine Erfahrung zu wissen, dass in den letzten zehn Jahren im digital-technischen Bereich deutlich mehr Neuerungen erfolgt sind als zuvor. Daher ist es wohl klug, zu schauen, wie wir diesen Prozess auch weiterhin für das Gymnasium Wildeshausen verantwortungsvoll gestalten.

Das war’s mit Teil 1 des Interviews mit Herrn Langen. Wir bedanken uns schon einmal recht herzlich bei Herrn Langen für dieses schöne Interview und hoffen, dass ihr auch den zweiten Teil, den wir nächsten Freitag (12.03.) veröffentlichen, lesen werdet.

Bleibt gesund,

Merle und Jennifer

,,Eine labile, politische Grundeinstellung zur DDR“- Eine Gesprächsrunde zum 30. Tag der Deutschen Einheit mit Herrn Wenigerkind, Frau Kramer und Herrn Meentzen

Am 03. Oktober 2020 jährte sich der Tag der deutschen Einheit und somit der Tag der Wiedervereinigung zum 30. Mal. Da der 03. Oktober in diesem Jahr aber auf einen Samstag fiel, fand eine Veranstaltung zu diesem Thema bei uns an der Schule bereits am 01. Oktober für die drei oberen Jahrgänge statt.

In den Geschichtsstunden zuvor wurde uns bereits erzählt, dass Herr Wenigerkind, der aus dem Osten nach Bremen geflohen war, vorbeikommen würde. Gemeinsam mit Herrn Meentzen, der schon immer in Bremen wohnt, und Frau Kramer, die bis 2004 im Osten gelebt hat, tauschten sich die Zeitzeugen in dem von Frau Rasche moderierten Gespräch über ihre Jugend im geteilten Deutschland sowie den Mauerfall und die Nachwendezeit aus.

Zuerst ging es darum, wo und wie die drei den Tag des Mauerfalls erlebt haben. Herr Wenigerkind hatte an besagtem Tag Geburtstag. Gerade mal 5 Tage zuvor war er aus dem Osten, genauer gesagt Thüringen, über die Prager Botschaft in den Westen zu einer Tante nach Bremen geflohen. Für ihn war es zuerst fast unmöglich zu realisieren, dass die Mauer gefallen war. Frau Kramer schilderte, dass sie gerade im Studentenwohnheim gewesen war. Plötzlich kam jemand ins Zimmer und rief, dass die Mauer offen sei. Das weitere Geschehen hatten sie und ihre Mitstudenten dann in Ermangelung eines Fernsehers über ein Radio verfolgt. In den Tagen danach sei ein normaler Universitätsalltag erstmal nicht möglich gewesen, da sich Lehrpläne und Verordnungen ständig änderten. Zudem sei die Anzahl an Studierenden in den einzelnen Seminargruppen über die Zeit immer kleiner geworden, da sich viele auf in den Westen gemacht hatten. Herr Meentzen war zu dem Zeitpunkt Wehrdienstleistender und gerade bei seinen Eltern; er war ebenfalls von der Nachricht des Mauerfalls überrascht.

Ein Deutschland, das nicht mehr geteilt ist, konnte sich alle drei zuerst gar nicht vorstellen. Frau Kramer fand zunächst alles unwirklich und hatte erstmal keine wirklichen Erwartungen daran, wie das Leben in einem vereinten Deutschland werden könnte. Ihr sei allerdings klar gewesen, dass das Leben im Osten jetzt nicht plötzlich so werden würde, wie im Westen. Dass sie nun die Möglichkeit haben würden nach London zu fahren, realisierte sie aber schnell.

Herr Wenigerkind hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, was er erwartete, und musste erstmal mit der neuen Situation klarkommen. Einer der ersten Wünsche, den er sich erfüllte, war der, sich modisch zu kleiden. Als er sich dann allerdings neue Schuhe der Marke „Nike“ kaufen wollte, war er mit der Auswahl an unterschiedlichen Modellen überfordert.

Herr Meentzen befand sich in einer komfortablen Position, da ihm klar war, dass sich sein Leben in der „alten“ Bundesrepublik nicht großartig ändern würde, im Gegensatz zu den Leben fast aller DDR-Bürger.

Als es um die Armee ging, in der Herr Meentzen und Herr Wenigerkind ungefähr zur gleichen Zeit, nur eben auf verschiedenen Seiten, dienten, musste ich ein wenig schmunzeln, da Herr Wenigerkind die Bundeswehr in der BRD im Vergleich zur NVA in der DDR als Pfadfinder bezeichnete. Ein Unterschied zwischen NVA und Bundeswehr war, dass man bei der Bundeswehr meistens nah am Wohnort stationiert war und öfters mal nach Hause konnte, während man bei der NVA weiter weg stationiert war und es auch mal sein konnte, dass man ein halbes Jahr lang nicht zuhause war. Herr Wenigerkind wollte eigentlich Fallschrimspringer bei der Armee sein, durfte dies allerdings nicht, da er Westverwandtschaft hatte. Herr Meentzen und Herr Wenigerkind waren sich beide ziemlich einig darüber, dass sie im Nachhinein nicht wirklich wussten, warum sie überhaupt bei der Armee gewesen waren, da sie beide niemals auf andere schießen wollen/können hätten. Frau Kramer fügte dann noch hinzu, dass ihr Vater nur bei der Armee gewesen sei, um einen Krieg quasi zu verhindern und das System von innen zu verändern.

Da Herr Wenigerkind nach seinen ersten beiden, gescheiterten Fluchtversuchen relativ gut weggekommen war, dachten viele Leute aus seinem Umfeld, dass er bei der Stasi gewesen sei, was jedoch nicht der Fall war. Als Herr Wenigerkind irgendwann Einsicht in seine Akte bekam, die er auch mitgebracht hatte, konnte er darin unter anderem lesen, dass ihm eine ,,labile politische Grundeinstellung zur DDR“ zugeschrieben wurde. Somit konnte er im Nachhinein u.a. auf einem Klassentreffen beweisen, dass er nicht bei der Stasi gewesen war.

Der Vater von Frau Kramer habe, vor allem dadurch dass er bei der Armee war, eine relativ dicke Stasi Akte gehabt. Sie selbst hat allerdings nie Einsicht in ihre Akte beantragt, da ihr die Überwachung einfach bewusst gewesen war.

Ich selbst fand die Veranstaltung/Gesprächsrunde sehr interessant und es war cool, mal einen direkten Vergleich zwischen mehr oder weniger gleichaltrigen Zeitzeugen aus DDR und BRD zu haben, da ich das durch Erzählungen von z.B. Familienmitgliedern bisher nicht wirklich hatte und mir generell die Sicht aus der ehemaligen DDR primär bekannt war.

Da der Redeanteil von Herrn Meentzen im Vergleich zu denen der beiden anderen eher geringer war, herrscht zwar die „Ostperspektive“ vor, aber dennoch weiß ich jetzt auch über die „Westperspektive“ viel mehr als vorher.

Insgesamt interessiere ich mich ohnehin schon ziemlich lange für die Zeit vom 2.Weltkrieg bis zur Deutschen Wiedervereinigung und begrüße es daher immer sehr, neue bzw. andere Perspektiven auf diese Zeit zu bekommen oder neue Dinge über veschiedene Ereignisse dieser Zeit zu lernen.

Das neue Gebäude unserer Schule – Ein paar Informationen und Impressionen

Das neue Gebäude nimmt immer weiter Form an. Auf 1740m² entstehen im Erdgeschoss eine Mensa mit Platz für 120 Personen, 4 Unterrichtsräume und ein Gruppenraum. Für das Obergeschoss sind 5 Unterrichtsräume, 3 Gruppenräume und eine sog. Lernlandschaft, in der die Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten können, geplant. Die Unterrichtsräume sollen ähnlich ausgestattet sein wie die Fremdsprachenräume, also auch mit Dokumentenkamera, Beamer, weißer Tafel usw.. In die Lernlandschaft sollen verschiedene Arten von Sitzmöglichkeiten kommen sowie auch Computer

Vor den Ferien an einem Mittwoch war ich dann mit Herrn Sudholz im neuen Gebäude drin, um ein paar Fotos zu machen und mir mal anzuhören, wie das neue Gebäude nun am Ende sein soll. Nachfolgend also ein paar Bilder von diesem Tag sowie einige Bilder, die Frau Arzberger gemacht hat, als schon Möbel im Gebäude waren.

Die neue Mensa
Der Kiosk
Die Essensausgabe
Die Treppe in die obere Etage des neuen Gebäudes. Laut Herrn Sudholz hätte diese noch etwas breiter sein können

„Wildeshausen Ohrensausen“ – Meine Einschätzungen und Vermutungen zu einigen Liedern

Zu Beginn der Osterferien schickte Frau Niemann uns den Link zur Spotify-Playlist „Wildeshausen Ohrensausen“ und den Link zu einem Padlet, unter dem man seine Vermutungen äußern kann. Seitdem bin ich bei ein paar Liedern am grübeln gewesen, wer diese Songs ausgewählt haben könnte. An meinen Überlegungen zu einigen der Songs möchte ich euch teilhaben lassen und meine Vermutungen aufstellen, auch wenn ich da wahrscheinlich kläglich dran scheitern werde.

Zuhause – Fynn Kliemann: Ich persönlich habe den Entstehungsprozess des Albums von Fynn von Anfang an mitverfolgt und besitze auch die Box des Albums. „Zuhause“ ist ein verdammt toller Song; ein Liebeslied der etwas anderen Art mit einem sehr guten Musikvideo. Welcher Lehrer den Song der Playlist hinzugefügt haben könnte, kann ich nicht wirklich einschätzen, würde aufgrund der Tatsache, das man Fynn Kliemann eher von Youtube und Instagram kennt, einfach mal darauf schließen, dass es ein jüngerer Lehrer/eine jüngere Lehrerin ist, der/die in dem Bereich unterwegs ist. Frau Kaminiarz, Herr Krieger,- Möglichkeiten gäbe es einige.

We Are The World – U.S.A. For Africa: Ich werde wohl nie so tausendprozentig warm mit diesem Lied. Im Chor hat es mir allerdings, als wir es dort gesungen haben, immer Spaß gemacht. Ich mag es generell immer noch es zu singen und es fehlt in keiner Weihnachtsplaylist. Da ich dieses Lied irgendwie eher mit dem Musikunterricht verbinde, würde ich es auch am ehesten einem Musiklehrer/einer Musiklehrerin zuschreiben. Vielleicht Frau Niemann oder Frau Imig?

Loch Lomond (Live) – Runrig: Live Versionen von Songs finde ich prinzipiell schon immer ziemlich gut und ich muss echt sagen, dass mir dieser Song echt gefällt. Hab den Song ein paar Sekunden laufen gehabt und an was Schottisches oder Keltisches gedacht. Nachdem ich Text und Band gesucht habe, musste ich feststellen, dass es sogar unabhängig von der Melodie stimmt. Ich würde den Song aus reiner Intuition jemandem zuordnen, der Englisch unterrichtet. Keine Ahnung warum, aber vielleicht hört den Song ja Herr Hemjeoltmanns oder so.

WIsh You Were Here – Pink Floyd: Es ist Pink Floyd. Es ist einer meiner Lieblingssongs von Pink Floyd. Mehr brauch ich dazu glaube ich nicht sagen. Wer auch immer von den Lehrern diesen Song als Lieblingssong hat, sie haben wahrscheinlich einen guten Musikgeschmack. 🙂 Spontan weiß ich gerade absolut nicht, wem ich diesen Song zutraue, aber vielleicht mag ja Herr Pottebaum sowas.

Killer/Papa Was a Rollin‘ Stone – George Michael: Nun ja. De facto ist das ein Covergemisch aus zwei Songs und ich finde das irgendwie ziemlich eigenartig. Es hat für mich etwas von Möchtegern-Dancemusik, die es aber nicht geschafft hat, so richtig dancig zu sein. Wer das hört? Absolut keine Ahnung. Ich weiß nicht, was für Menschen George Michael hören. Es könnte irgendwie jeder sein.

Killing In The Name – Rage Against The Machine: Es ist gut. Verdammt gut. Ich kenne das Lied schon länger, höre es öfters und frage mich dennoch jedes Mal aufs neue, welches Genre es sein will. Tendenziell würde ich auf jeden Fall gerade sagen, dass die Person, die es hört männlich ist. Aber hm, keine Ahnung, wer genau. Vielleicht Herr Krieger oder Herr Riepel?

Space Oddity – David Bowie: Dieses Lied ist, glaube ich, das einzige Lied, was ich von Bowie mag und höre. Es ist halt auch irgendwie ein Klassiker. Wenn ich jetzt mal auf meine Insiderinfos und die Tipps der anderen Schülerinnen vertraue, ist das das Lieblingslied von Frau Grützmacher.

Vandring – Pust: Ich kenne das irgendwo her, aber was weiß ich, woher genau. Ich mag das A-Capella auf jeden Fall. Die Frage ist jetzt, wer eher ruhigere, gediegenere Sachen hört und somit auch das. Ich hab gerade echt keine Ahnung. Ich tendiere aber dazu, dass es eher ne Frau ist.

99 Problems – JAY-Z: Ich kann beim besten Willen nichts mit der Musik von JAY-Z anfangen und kenne das Lied nur aus Memes. Spontan würde ich jetzt sagen, dass das einer der Referendare hört, aber ich kann die zu wenig einschätzen, als das ich genau sagen könnte, wer.

Countdown – Beyoncé: Ich glaube, das ist eher ein unbekannteres Lied von Beyoncé; es war mir auf jeden Fall nicht bekannt. Spontan sagt es mir auch nicht so zu, wie die anderen Lieder, die ich von Beyoncé kenne. Ich würde es auf jeden Fall eher einer Frau zuordnen. Vielleicht Frau Bülow? Aber vielleicht werde ich am Ende auch komplett überrascht und es ist ein Mann, der das Lied hört. 😀

Der perfekte Moment… – Max Raabe & Samt Deluxe: Ich find die Musik von Max Raabe ziemlich okay, auch wenn ich sie nicht höre. In diesem speziellen Fall mag ich die Mischung mit Samy Deluxe sehr und musste an das Lied denken, welches KUMMER mit Max Raabe gemacht hat. Das könnte jetzt auch wieder so ziemlich jeder sein, der das hört. Vielleicht aber ja Frau Burdiek?

Du schreibst Geschichte – Madsen: Ich hab in dieser Playlist ja echt mit vielem gerechnet, auch mit Bands, die ich höre. Madsen habe ich dann aber doch irgendwie so gar nicht erwartet. Ich mag Madsen sehr und „Du schreibst Geschichte“ steht auf meiner Liste für Songs, die man mitsingen und zu denen man abgehen kann, definitiv weit oben. Ich ordne das Lied jetzt einfach mal, natürlich wieder komplett ins Blaue geraten, Frau Dietzmann zu, auch wenn ich bei ihr nicht so hundertprozentig einschätzen kann, ob sie Musik à la Madsen hört. Aber wer auch immer das hört, hat auf jeden Fall einen sehr guten Geschmack. 🙂

Vengeance Is My Name – Amon Amarth: Ich hör Amon Amarth nicht wirklich oft, was daran liegt, dass ich selten Metal höre und wenn, dann tendenziell eher ruhigeren Metal. Amon Amarth ist melodisch schon etwas haudraufmäßig und dadurch nicht so unbedingt meins, aber ich mag’s trotzdem. Spontan würde ich das Lied Herrn Müller zuordnen.

Nordisch by Nature – Fettes Brot: Ein Klassiker von Fettes Brot. Es ist jetzt nicht mein Lieblingslied von Fettes Brot, aber ich mag es. Auch wenn ich manchmal finde, dass es zu lang ist; warum auch immer. Immerhin höre ich von anderen Bands auch weitaus längere Lieder. Ich glaube, dass es im Allgemeinen einige Leute in der Lehrerschaft gibt, die Fettes Brot mögen, weshalb es schwierig ist, da eine Person auszuwählen, von der dieses Lied das Lieblingslied ist. Spontan würde ich Frau Kaminiarz oder Herrn Kötke das Lied zuordnen, aber auch nur, weil ich mit den beiden jeweils schon mal über Fettes Brot geredet habe.

Won’t Forget These Days – Fury In The Slaughterhouse: Zugegebenermaßen ist das Lied das einzige, was ich von der Band kenne. Ich finde den Song auch sehr gut, höre es allerdings eigentlich nur, wenn es auf irgendeiner Playlist oder mal im Radio oder Fernsehen gespielt wird. Zuordnen würde ich es Herrn Janßen, auch wenn ich nicht so richtig weiß, warum.

Mein Stammbaum ist ein Kreis – Knasterbart: Was zum Teufel? Melodisch erinnert es mich etwas an Santiano. Den Text finde ich absolut eigenartig…Naja. Zuordnen würde ich es Herrn Zunk, aber absolut ohne einen bestimmten Grund.

Too Many Friends – Placebo: Das einzige Lied, was ich von Placebo kenne. Ich mag den Text des Liedes sehr und auch die Melodie ist toll. Alles nicht zu ruhig, aber auch nicht zu doll. Zuordnen würde ich es Frau Ahmad.

Fields Of Gold – Sting: Ich kenne das Lied, glaube ich, nur deswegen, weil es in der Chor-AG gesungen wurde, ich im Popchor war und es somit beim Konzert gehört habe. Das Lied ist ganz gut, aber dennoch irgendwann aus meiner Playlist geflogen, weil ich es meistens übersprungen habe. Zuordnen würde ich es definitiv Frau Niemann.

The Sound Of Silence – Disturbed: Es ist ein Cover, aber ein relativ gutes, wenn auch verdammt langsames Cover. Es ist, meiner Meinung nach, ziemlich unmöglich, das Lied zu singen. Noch dazu finde ich es, dadurch dass es so langsam ist, etwas einschläfernd. Ich habe absolut keine Ahnung, wer das wirklich hört, sage jetzt aber einfach einmal, dass Herr Meentzen den Song ausgewählt hat.

Starboy – The Weekend, Daft Punk: Kann man sich definitiv anhören. Auch wenn ich von Musik dieser Art eigentlich nicht wirklich Fan bin. Zuordnen würde ich es spontan Herrn Heyn.

Back To Black – Amy Winehouse: Mal wieder ein Klassiker. Ist jetzt nicht unbedingt die Musik, die ich regelmäßig höre, aber das Lied ist trotzdem gut und Amy WInehouse hat eine großartige Stimme. Keine Ahnung warum, aber ich würde das Lied Frau Sager zuordnen.

Schrei nach Liebe – Die Ärzte: Ich liebe diese Band! Das Lied ist ein Klassiker der Band, wenn nicht sogar DER Klassiker. Freue mich schon darauf, das Lied im November hoffentlich live hören zu können. Zuordnen würde ich es Herrn Krieger oder Frau Wübbenhorst.

Maria (I Like It Loud) – Scooter: Okay. Ich find Scooter echt ganz gut und man kann sich die Musik durchaus auf Partys oder so anhören, aber ich hab ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass es Menschen gibt, deren Lieblingslied von Scooter ist. Irgendwie würde ich es am ehesten Herrn Eggers zuordnen.

Sweet Child O‘ Mine – Guns N‘ Roses: Super Band, super Song. Ich mag die Intromelodie sehr. Die Stimme vom Sänger ist auch nice. Mehr kann man dazu nicht sagen. Auch wenn ich Herrn Meyer absolut nicht kenne und einschätzen kann, würde ich ihm dieses Lied zuordnen.

Der Traum ist aus – Ton Steine Scherben: Mal wieder ein sehr langes Lied. Ich find’s hier aber irgendwie nicht schlimm. Die Band ist mir erst seit einem Referat, was ich in Musik gehalten habe, ein Begriff. Ich mag die Melodie und den Text von dem Lied schon ziemlich; hören würde ich es aber trotzdem nicht oft. So richtig zuordnen kann ich es irgendwie niemandem so richtig.

Everlong – Foo Fighters: Die Foo FIghters machen eigentlich fast durchweg gute Musik. Everlong ist eins meiner Lieblingslieder von denen, vor allem weil ich die Melodie sehr mag. Das Lied könnte zu vielen Lehrern passen. Spontan würde ich es Frau Rick zuordnen.

Carpet Crawlers – Genesis: Genesis ist eine echt gute Band, auch wenn ich die kaum höre. Dennoch kann ich mit dem Lied absolut nichts anfangen. Vielleicht ist es mir aus einfach zu ruhig. Zuordnen würde ich es Herrn Lange.

Lasse redn – Die Ärzte: Selbst wenn einem Die Ärzte sonst kein Begriff sind, kennt man dieses Lied meistens. Es ist nicht das stärkste Lied von den Ärzten, aber dennoch gut. Es gibt viele unterschiedliche Arten von Menschen, die Die Ärzte hören, also könnte es ungefähr jeder Lehrer sein, spontan würde ich es aber Herrn Weber zuordnen.

Bicycle Race – Queen: Das ist definitiv ein Lied von Queen, was ziemlich schnell zu einem Ohrwurm führt. Mein persönlicher Favorit von Queen ist es nicht, aber gut ist es auf jeden Fall. Es könnte aber halt auch ungefähr jeder hören.

Erzähl mir nichts – Matze Rossi: Noch so ein Künstler, mit dem ich in dieser Playlist nicht gerechnet habe, auch wenn ich ihn selbst erst seit kurzem kenne. Ich mag das Lied, ich mag Matze Rossi. Bei den Tipps der anderen Schüler wird bisher Herr Gewald am häufigsten genannt und vielleicht stimmt es auch. Ich kann es absolut nicht einschätzen.

Learn To Fly – Foo Fighters: Noch ein „Foo Fighters“-Lied, eins der besten sogar. Meiner Meinung nach hat es eine sehr eingängige Melodie und ich mag den Text. Zuordnen würde ich es Herrn Riepel.

Happy – Pharrell Williams: Als das Lied neu und aktuell war, gehörte es zu meinen Lieblingsliedern. Aber mittlerweile hat sich mein Geschmack echt sehr geändert und ich höre das Lied so gut wie gar nicht mehr. Mal wieder gibt es viele Möglichkeiten, wessen Lieblingslied dieses Lied ist. Aber vielleicht ist es ja das von Herrn Kötke.

Das war jetzt meine Einschätzungen zu vielen Liedern in dieser Playlist, wessen Lieblingslied es jeweils sein könnte. Wahrscheinlich sind einige meiner Vermutungen komplett falsch, wenn nicht sogar alle, aber ich hatte Spaß daran, mir das zu überlegen.

Konzerte trotz Corona? – Ja, aber anders!

In den letzten Wochen wurden aufgrund der Corona-Pandemie massenweise Auftritte und Touren abgesagt, auf ungewisse Zeit finden keine Konzerte statt. Keine Konzerte? Naja, nicht ganz.

Viele Künstler suchen nach Alternativen, trotzdem live zu spielen. Und welcher Lösungsansatz kommt da zuerst auf? Natürlich das Livestreamen. Manche der Künstler senden aus ihren Wohnzimmern oder Studios, andere treten bei Online Festivals auf (#unitedwestream u.a.) oder senden eben aus einem Club, der quasi gekapert wurde und aus dem nun Konzerte gestreamt werden.

Auch ich habe in der Zeit schon ein paar Sachen geschaut, von denen ich hier nun berichten will:

Vor zwei Wochen hat die Berliner Punkband „Smile and Burn“ als Ersatz für die ausgesetzten Shows auf Instagram ihr Set aus dem Proberaum gestreamt. Die Qualität war so semi, weshalb ich nach zwei Songs ausgeschaltet habe, aber ich fand, dass es trotzdem ein guter Anfang für die nächste Zeit war.

Sowohl am 20.3. als auch am 27.3. hat Gil Ofarim eine halbe Stunde lang mit seinem Klavierspieler zusammen ein kleines Konzert aus dem Studio gegeben, dass live auf Instagram und Facebook übertragen wurde. Beide waren sehr schön.

Der eingangs erwähnte Club ist das Astra in Berlin. Dort hat sich eine Gruppe aus freiberuflichen TechnikerInnen, BookerInnen und ModeratorInnen, der „Berlin Culture Cast (BCC)„, zusammengetan und einen gleichnamigen Streaming-Kanal für Konzerte ins Leben gerufen. Natürlich alles unter den höchst hygienischen Voraussetzungen.

Das erste Konzert, was ich beim BCC live im Stream gesehen habe, war das Konzert der Band „Montreal“ am 21.3. . Ich hab die Jungs letztes Jahr, als Corona für uns nur der Name eines Bieres war, im September beim „Grand Summer Slam“ der „Donots“ als „Surprise Voract“ gesehen. Ich wollte sie danach möglichst schnell wieder live sehen, doch das dieses nächste Mal ein Stream-Konzert sein würde, hätte ich jetzt auch nicht erwartet. Das Konzert insgesamt war sehr toll und es wurden einige meiner Lieblingssongs gespielt. Im Stream-Chat entstanden außerdem interessante Umdichtungen der Montreal-Songs. So wurde aus „Katherine, Katherine“ kurzerhand „Quarantäne, Quarantäne“ und statt „Malaria und Heimweh“ gabs dann „Corona und Fernweh“. Den Humor und Spaß hatten weder die Band, noch wir Leute im Chat verloren. Nach jedem Song wurden Klatsch-Emojis geschrieben, es wurden virtuelle Moshpits gestartet oder virtuell gecrowdsurft. Als das Konzert zu Ende war, schrieb ich einfach so mal in den Chat, welche Band ich gerne als nächstes hätte, nicht wissend, dass diese bereits eine Woche später schon beim BCC auf der Bühne stehen würde.

Die Rede ist von „Radio Havanna“. Wie in meinem letzten Artikel erwähnt, hätte ich sie ja nochmal live gesehen, was dann allerdings wegen Corona nun verrschoben wurde. So kam mir das Stream-Konzert sehr gelegen. Vor dem Konzert wurde ein Interview geführt, was mich schon etwas amüsiert hat, da zwischen den beiden interviewten Bandmitgliedern und der Interviewerin wirklich der Mindestabstand eingehalten wurde. An sich macht das ja vollkommen Sinn, allerdings fand ich das Bild von drei Menschen, die jeweils etwa zwei Meter voneinander entfernt saßen, schon irgendwie ziemlich lustig. Die Setlist des dann folgenden Konzertes war dann quasi eine gekürzte Version der eigentlichen Toursetlist, was ich allerdings für ein Stream-Konzert auch vollkommen ausreichend fand. Der Chat war für mein Gefühl noch mehr am Party machen. Wieder gab es virtuelle Moshpits, es wurde virtuell gestagedived, wir trugen die Menschen quasi durch den Chat, nach jedem Song wurden Klatsch-Emojis gespamt und während dem Song „Faust hoch“ hoben wir im Chat virtuell unsere Fäuste in dem wir Faust-Emojis spamten.

Auch als es für einige Minuten einen Stromausfall und dadurch keinen Ton gab, ließen wir uns im Chat nicht aus der Partystimmung bringen, schrieben darüber, wer zu welchem der verschobenen Konzerte ging, besuchten virtuell die Bar oder den Merchstand oder sangen virtuell, in dem wir einfach die Songzeilen schrieben. Was außerdem sehr lustig war, war das einige des öfteren im Chat schrieben, wie hübsch und süß sie doch den Schlagzeuger fanden und das dieser mal mehr im Bild sein sollte. Dies erzählte die Moderatorin, die während des Konzertes den Chat mitlas und zwischen den Songs das Geschriebene quasi an die Band weitergab, natürlich direkt der Band. Es brachte die Band zum Lachen und uns im Chat etwas zum Schmelzen, Aber hey, es stimmt halt. ;P

Alles in allem kann man die gestreamten Konzerte unmöglich mit den richtigen Konzerten vergleichen, da das Feeling ein ganz anderes ist. Allerdings sind die gestreamten Konzerte, sofern sie eine gute Qualität haben, eine gute Alternative für die aktuelle Zeit, damit man nicht ganz ohne Auftritte der Lieblingskünstler auskommen muss. Also schaut, sofern es euch interessiert, doch mal bei euren Lieblingskünstlern auf Social Media vorbei, ob diese auch mal streamen oder guckt euch vielleicht mal auf Youtube nach Livevideos um.

Ich für meinen Teil werde wahrscheinlich weiterhin die Livestreams von Gil Ofarim schauen und immer beim Berlin Culture Cast am Start sein, wenn mich dort etwas interessiert. Ansonsten werde ich die Musik meiner Lieblingsbands so viel ich kann anhören, um sie durch das Geld das sie an den Streams verdienen, zumindest etwas zu unterstützen und wenn ich Lust habe, werde ich mir irgendwann in nächster Zeit auch noch was in deren Shops bestellen. Unterstützung ist immer gut und wichtig, aber aktuell nochmal wichtiger denn je.

Radio Havanna – Helden für eine ganze Nacht

Am 29.02.2020 ging es für mich endlich zum ersten Konzert diesen Jahres, zum Bremer Konzert der „VETO“-Tour von „Radio Havanna“, die als Vorband „Vizediktator“ dabei hatten. Schon seit ich mir die Karte für das Konzert bestellt hatte, freute ich mich auf dieses Konzert.

So kam ich am Konzerttag drei Stunden vor dem Einlass am „Tower“ in Bremen an, wo ich dann feststellen musste, dass ich theoretisch auch hätte später kommen können, da außer Crew und Bands noch niemand da war. Aber nun war ich halt da. Drei Stunden hin- und herlaufen, rumstehen und rumsitzen mit Essenspause zwischendurch. Später, mittlerweile waren auch einige Leute da, wurden wir endlich in die Wärme des „Towers“ gelassen. Nachdem ich dem Merchstand einen Besuch abgestattet und mir eine Mütze gekauft hatte, sicherte ich mir einen Platz in der ersten Reihe und redete dort mit den Leuten, die ich bereits vor dem Einlass kennengelernt hatte.

Irgendwann ging es dann mit „VIZEDIKTATOR“, der Vorband, los. Ich kannte die Band vorher quasi gar nicht und habe sie mir auch nur vor dem Konzert ein wenig angehört, aber ich fand sie direkt super. Die Lieder sind alle verdammt und es war lustig, wie der Sänger fast die ganze Zeit aufgekratzt auf der Bühne rumgetanzt und rumgesprungen ist. „Radio Havanna“ haben mit dieser Band echt eine sehr gute Band als Vorband dabei gehabt, zu der ich sofort wieder auf ein Konzert gehen würde, wenn sie hier in der Nähe spielen.

Danach kamen dann die Jungs von Radio Havanna auf die Bühne und starteten mit dem Song-Doppelpack „Krach“ und „Immer noch da“ von ihrem aktuellen Album das Konzert.

Danach folgten viele Songs des aktuellen und vorherigen Albums, aber auch ältere Songs. Auch Lieder der mit dem aktuellen Album erschienen Cover-Platte „Gossenhauer“ wurden zum Besten gegeben, was zu einer Eskalation des Publikums führte, denn es sind einfach ikonische Songs, die jeder kennt.

Vor dem Song „Faust hoch“ wurde ein gesprochener Text eingespielt, der die Geschehnisse von Hanau aufgriff, ebenso wie er auf die Flüchtlingsproblematik und die Wahlen in Thüringen Bezug nahm.

Vor dem Song „Goldfischglas“, welcher der erste Song der Zugabe war, setzten bzw. hockten sich alle auf den Boden und blieben während des Songs, der nur mit einer Akustikgitarre begleitet wurde, auch sitzen.

Als in der Zugabe der Song „Du hast den Farbfilm vergessen“ gecovert werden sollte, kündigte Fichte, der Sänger, einen Stargast an, der sich als Sänger der Vorband heraus stellte. Zusammen sangen sie dann das Lied, was ziemlich lustig war, da zum einen das Publikum wieder komplett durchgedreht ist und zum anderen der Sänger der Vorband seinen Part zu großen Teilen von einem Zettel ablas. Aber es sei ihm verziehen.

Das Konzert war nach 80 Minuten leider schon zu Ende. Es dauerte nicht allzu lange und die Bandmitglieder liefen im „Tower“ rum. Ich machte mit allen Fotos und holte mir Autogramme auf meiner Setlist und in mein Konzertbuch. Doch auch die Gespräche kamen nicht zu kurz. Es waren ziemlich lustige und schöne Gespräche; vor allem mit dem Sänger der Vorband habe ich sehr viel gelacht, auch wenn wir auch über ernstere Themen geredet haben.

Irgendwann verschwanden die Bandmitglieder und auch ich entschied ich mich, zu gehen.

Mir war klar, dass dies definitiv nicht mein letztes „Radio Havanna“-Konzert war. Die Atmosphäre, das Publikum und die Band waren einfach viel zu gut, um jetzt bis zur nächsten Tour zu warten, bei der sie vielleicht wieder in Bremen spielen. Also schaute ich nach und stellte fest, dass am 14.3. ein Radio Havanna Konzert in Hannover stattfinden sollte … doch dann kam das Corona Virus.

Von Wegen Lisbeth – Alles Grande ?!

Nachdem ich im letzten Jahr gesehen hatte, dass die Band Von Wegen Lisbeth ein Konzert im Pier 2 in Bremen spielen würde, war mir schnell klar, dass ich dieses Konzert besuchen möchte. Da mein Bruder die Band ebenfalls kannte, holte er für uns beide Karten und schenkte mir diese zu Weihnachten. Am 26.10. 2019 war es dann endlich so weit und wir fuhren am späten Nachmittag nach Bremen. Irgendwann ging es dann durch den Einlass, der für uns relativ schnell verlief, da wir unsere Taschen im Auto gelassen hatten.

Während ich mir in einer der vorderen Reihen einen Platz sicherte, zog es meinen Bruder zu einem der Sitzplätze. Nach etwa einer halben Stunde kam ,,Blond“, die Vorband auf die Bühne. Als ich mir Lieder von denen zuhause angehört hatte, war ich ehrlich gesagt, was den Auftritt angeht, eher skeptisch, doch es änderte sich quasi schon mit dem ersten Song, den sie spielten. Spätestens nachdem die Drei „I kissed a girl“ von Katy Perry coverten, hatten sie mich voll und ganz.

Während der Umbaupause wurde ein Vorhang angebracht, sodass das Publikum im Ungewissen gelassen wurde, wann es mit dem Hauptact losgeht. Nach einem für mein Gefühl viel zu langen Intro fiel der Vorhang endlich und die Jungs starteten mit dem Song „Wieso“ von ihrem aktuellen Album ihr Konzert. Mit „Cherie“ folgte direkt danach auch schon einer meiner Lieblingssongs, der live noch dynamischer ist.

Darauf folgten dann noch 23 weitere Lieder, die eine sehr gute Mischung der beiden bisherigen Alben ergaben. Am meisten freute ich mich bei diesen Songs über „Drüben bei Penny“, weil ich nicht gedacht hätte, dass sie es live spielen, da es meinem Empfinden nach doch eher zu den unbekannteren Liedern des ersten Albums gehört. Außerdem waren für mich persönlich auch noch ‚Bitch‘ und ‚Wenn du tanzt‘ Highlights, da bei beiden Liedern das Publikum sehr laut mitgesungen und den Refrain von ‚Wenn du tanzt‘ quasi allein gesungen hatte. Nach diesem Lied ging die Band von der Bühne und das Publikum fing an, eine Zugabe zu verlangen. Es dauerte nicht lange und die Band kam wieder auf die Bühne und es wurden die letzten vier Lieder der Setlist gespielt. Eines davon war ein Cover des Liedes „Nur ein Wort“ der Band „Wir sind Helden“. Dieses coverte Von Wegen Lisbeth zusammen mit Blond, dadurch heizten sie das Publikum zum Ende noch einmal richtig ein. Den Abschluss machte der Song „Sushi“ .

Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein extrem tolles Konzert war! Die Akustik im Pier 2 hat sowohl bei Blond als auch bei Von Wegen Lisbeth voll und ganz gestimmt. Das Publikum ging das gesamte Konzert ab und die Band ließ kaum Zeit für Verschnaufpausen. Am Ende konnte man somit in viele verschwitzte und glückliche Gesichter blicken.

Generell würde ich jedem Menschen, der Indie Musik mag und/oder leicht skurrile und lustige Songtexte super findet, empfehlen, sich die Musik der Band Von Wegen Lisbeth anzuhören und nächstes Jahr auf einem Open Air Festival oder im Oktober ein Konzert von ihnen zu besuchen.


Rammstein – Ein Konzert der anderen Größenordnung

Für alle Fans von Rammstein überraschend, tauchten Ende Oktober 2018 in einigen Städten in Deutschland und Europa Projektionen und Plakate auf, die auf neue Konzerte hinwiesen. Es wurde für ein paar Tage spekuliert. bis Rammstein auf ihren Sozialen Netzwerken ein Video veröffentlichte, welches eine Stadion Tour für 2019 ankündigte. Nach kurzem Checken der Daten mit meinem Vater und Absprachen mit meinem Bruder und meinem Onkel war die Entscheidung klar: Wir würden auf das Konzert in Berlin gehen. Da mein Onkel Mitglied im Rammstein Fanclub ist, war es auch ziemlich unproblematisch, an Karten zu kommen. Als ich Weihnachten die Karten in der Hand hatte, begann ich zu realisieren: Ich würde die Band, die mich schon seit meiner Kindheit begleitete, nun endlich live sehen. Und das sogar im großen Berliner Olympiastadion.

Ein gutes halbes Jahr später war es dann soweit. Als am Olympiastadion schon der Einlass gestartet war, fuhren wir bei meinem Onkel zuhause los und kamen irgendwann mit der S-Bahn am Olympiastadion an. Durch den Einlass waren wir schnell durch und so zog es mich erstmal zum Merchstand, während der Rest der Truppe zum Getränkestand ging.

Nachdem wir mit Allem ausgestattet waren, begaben wir uns auf unsere Plätze und bekamen dort noch die letzten zwei Lieder des Voracts, dem Pianoduo ,,Duo Jatekok“ mit. Während der Pause zwischen Voract und Rammstein wurden sehr viele La Ola Wellen gestartet oder einfach von allen geklatscht. Irgendwann stiegen die sechs Rammsteiner die Stufen des Marathontores hinunter und alle Leute, die dies beobachten konnten, brachen in Jubel aus. Das Konzert stand kurz bevor.

Wenig später ertönte klassische Musik und um das Schlagzeug stieg Nebel hervor, aus dem der Schlagzeuger, Schneider, dann hervortrat und mit einem Schlag auf eine seiner Trommeln das Kanzert quasi begann. Er nahm hinter seinem Schlagzeug platz und begann die Melodie des Introliedes, ,,Was ich liebe“, das gleichzeitig auch das erste Lied des Albums ist, zu spielen anfing. Nacheinander traten nun die einzelnen Mitglieder der Band, in der Reihenfolge erster Gitarrist (Richard), Keyboarder (Flake), zweiter Gitarrist (Paul) und Bassist (Olli) auf die Bühne und setzten in den Rhythmus mit ein, bis schlussendlich der Sänger (Till) unter tosendem Applaus auf die Bühne kam und zu singen anfing. Ich hatte direkt Gänsehaut. Es hätte kein besseres Intro geben können!

Nach dem Intro wechselten sich alte Lieder mit Liedern vom aktuellen Album. Zeitweise war es für uns in der obersten Reihe schwer zu verstehen, was der Sänger gerade sang, da sein Gesang vom Bass übertönt wurde, aber das war nicht weiter schlimm, da das sowieso nur Lieder betraf, die ich nicht so sehr mag.

Vom Lied ,,Deutschland“ wurde zuerst der Richard Z. Kruspe Remix gespielt. Während Richard, der der Macher des Remixes war, in einer Art Fahrstuhl in der Mitte hinten auf der Bühne hochgefahren wurde und den DJ darstellte, „tanzten“ Paul, Schneider, Olli und Flake in Leuchtanzügen auf der Bühne eine Choreographie, was ziemlich lustig aussah. Als dann die Originalversion gespielt wurde, wurde es im gesamten Stadion ziemlich laut. Ich glaube, jeder Besucher des Konzertes hatte sich darauf gefreut, diesen Song live zu hören.

Der 17. Song auf der Setlist, ,,Engel“, wurde auf eine andere Weise performt, als es von den vorherigen Touren üblich war. Denn die Rammsteiner versammelten sich auf der kleinen Zweitbühne um die Klaviere vom ,,Duo Jatekok“, auf der das Duo auch schon als Vorband gewesen war. Die beiden Damen vom Duo Jatekok setzten sich an ihre Klaviere und begannen die Klavierversion von Engel zu spielen. Till begann zu singen und mit ihm das ganze Stadion, sodass er für mich in der obersten Reihe kaum noch zu hören war. Aber das war mir in dem Moment sehr egal. Da der Text des Liedes auf dem Bildschirm der Bühne projiziert wurde, gelang es eigentlich jedem problemlos, mitzusingen. Ich hatte wieder eine Gänsehaut und war in dem Moment auch einfach sehr glücklich, da ich solche Momente auf Konzerten einfach unfassbar liebe.

Nach Engel ließen sich alle Bandmitglieder außer Till in Schlauchbooten über die Köpfe der Zuschauer zur Bühne tragen, auf der sie dann von Till Willkommen geheißen wurden. Ein schönes und äußert passendes Bild, das zu ,,Ausländer“, dem nächsten Song, führte. Denn in dem Video des Songs fahren die Bandmitglieder ebenfalls mit einem Schlauchboot. Auf diesen Song hatte ich mich schon seit Beginn des Konzertes gefreut, da er mein Lieblingssong auf dem aktuellen Album ist. Und ich wurde echt nicht enttäuscht. Live ist dieser Song meiner Meinung nach noch energiegeladener, als er es auf dem Album ist. Als der Song zu Ende war, gab es ein Zwischenspiel, bei dem nur die beiden Gitarristen spielten und dabei aufeinander zu gingen. In der Mitte der Bühne küssten sie sich dann und viele Leute im Stadion jubelten, bevor es dann nach kurzer Stille mit ,,Du riechst so gut“ weiter ging. Mit ,,Ich will“ endete das Konzert dann drei Songs später und ich stand etwas überfordert mit meinen Gefühlen da und beobachtete die Sechs dabei, wie sie auf der Bühne auf die Knie gingen. Eine symbolische Danksagung, denn nach einem sehr knappen ,,Danke Berlin!“ verschwanden sie dann auch schon von der Bühne.

Alles in allem war dieses Konzert nicht das beste Konzert, auf dem ich in meinem bisherigen Leben war. Allerdings finde ich es auch schwierig, dieses Konzert mit meinen anderen Konzerten zu vergleichen, da alles größer und extremer war. Außerdem kann man Rammstein meiner Meinung nach manchmal mehr als Show bezeichnen, da sie fast gar nicht mit dem Publikum interagieren und noch dazu viel Pyrotechnik verwenden, ohne die das Konzert auch extrem langweilig wäre. Ich freu mich auf jeden Fall Rammstein nächstes Jahr wieder live im Olympiastadion zu sehen und hoffe erneut auf einen so guten Mix zwischen alten und neuen Liedern, wie es dieses Jahr der Fall war.

Schaumkanonen
,,Deutschland“